Ist nachhaltiger Fischfang möglich? Unter Deck der MSC-Schiffe

Ob aus Zucht oder Wildfang, Fische und Meeresfrüchte erfreuen sich grosser Beliebtheit. Aber da der weltweite Konsum stetig ansteigt, müssen diese Produkte sorgfältig ausgewählt werden. Im Moment sind mehr als 30% aller wilden Fischbestände überfischt. Das bedeutet, dass von den Populationen dieser Spezies mehr Tiere entnommen wurden, als sie sich reproduzieren können. Im Mittelmeer sind es sogar mehr als 90% der Bestände, die vollständig überfischt sind! Beim Erhalt der Meeresökosysteme und beim Anteil an Beifang (Schildkröten, Haie usw.) spielt ausserdem die Fischfangtechnik eine wichtige Rolle.

Wie aber können wir wissen, was auf den Fischerbooten geschieht? Die Fische, die wir konsumieren, kommen nicht nur häufig von weit her, sondern sind auch oft bereits ausgenommen, zurechtgeschnitten und paniert und gehen durch viele Hände, bevor sie unsere Grenzen passieren. Hinsichtlich der Rückverfolgbarkeit wird es schwierig, Zugang zur Herkunft, zur Fischgrösse, zur Fischfangtechnik usw. zu bekommen. Und zu wissen, ob der Fisch, den wir essen, zur Plünderung der Ozeane beiträgt.

Das MSC-Label: viele sehr spezifisch ausgearbeitete Kriterien

Da die heutigen Gesetzgebungen nicht besonders streng sind, was die verantwortungsvolle Nutzung und den Schutz der Meere sowie die Kennzeichnung der fertigen Produkte angeht, müssen wir uns auf Labels stützen, die weiter gehen. Doch es gibt nur zwei international anerkannte Labels für den kommerziellen Wildfang: Friend of the Sea und MSC (Marine Stewardship Council), und von den beiden Programmen hat nur das MSC-Label ein ganzheitliches Konzept mit umfassenden Richtlinien. Es ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit von 300 Wissenschaftlern, Akademikern und Experten auf der ganzen Welt. Das Pflichtenheft ist nach den folgenden drei Grundprinzipien strukturiert:

  • Die Nachhaltigkeit der Fischbestände
  • Der Einfluss auf die Ökosysteme
  • Ein effizientes und auf die nachhaltige Befischung ausgerichtetes Management

Diese Prinzipien bestehen aus 9 Teilen und jeder enthält 1 bis 4 Leistungsindikatoren, die wiederum je 1 bis 6 Kriterien umfassen. Der gesamte Standard wird ausführlich in einem mehr als 200 Seiten starken Dokument beschrieben. Ausserdem wird der Kriterienkatalog durch den «Rückverfolgbarkeits-Standard» ergänzt, um die gesamte Lieferkette vom Fischereibetrieb bis zum Teller zu verfolgen, indem jede Station (Fang, Transport, Vertrieb, Verkauf usw.) zertifiziert wird.

Ist das MSC-Label vertrauenswürdig?

Das MSC-Label ging aus einer 1992 gegründeten Nichtregierungsorganisation (NGO) hervor und steht heute mehr als 25’000 Produkten in über 100 Ländern zur Verfügung, oft ohne Mehrkosten für den Verbraucher. Mit dem Label werden Fischereien gekennzeichnet, die den MSC-Kriterienkatalog einhalten. Um die Unabhängigkeit und Zuverlässigkeit des Labels zu bestärken, müssen die Zertifizierungsstellen unabhängig sein und von der Akkreditierungsstelle Accreditation Services International zugelassen werden.

Wenngleich nicht perfekt, ist das MSC-Label aktuell oft die einzige verfügbare Information für den Konsumenten, wenn er sich zwischen den verschiedenen Fischen auf der Auslage entscheiden muss. Ohne dieses Label wäre der industrielle Wildfischfang noch undurchsichtiger als ohnehin schon und der Konsument hätte keine Chance, auch nur den kleinsten Hinweis auf die Fischfangtechnik, die Beachtung der Bestände und der Mindestgrösse der gefangenen Fische, die Beifangvermeidung usw. zu erhalten.

Dennoch werden manchmal Betrugsfälle gemeldet, aber die NGO bemüht sich sehr, diese zu begrenzen. Auch wenn das MSC-Label von manchen Marktteilnehmern in Frage gestellt wird, ist ein Produkt mit einem Ökolabel im Allgemeinen nicht schlechter als ein Produkt ohne Label. Der WWF gibt an, dass selbst dem MSC kritisch gegenüberstehende Wissenschaftler der Meinung sind, dass der Konsum von zertifiziertem Fisch dem Konsum von nicht-zertifiziertem Fisch unbedingt vorzuziehen ist (Quelle).

Ein MSC-Produkt zu kaufen heisst auch, eine NGO zu unterstützen, die ihr Bestes für den Schutz der Meere gibt! Ebenfalls trägt man dazu bei, die Nachfrage für nachhaltig produzierten Fisch zu steigern. So ist es der NGO zu möglich, sich weltweit weiterzuentwickeln, damit sie noch mehr ihrer zahlreichen Missionen erfüllen kann. Wenn wir uns für MSC-zertifizierten Fisch entscheiden, helfen wir einer nachhaltigen Branche – statt einer Branche, die keinerlei Informationen übermittelt und von der wir nicht einmal wissen, ob sie nachhaltige Ziele festgesetzt hat. Der WWF stellt zudem fest, dass die Massnahmen der NGO in den letzten zwanzig Jahren eine erhebliche Verbesserung im industriellen Fischereisektor gebracht haben, was umweltpolitische und sozioökonomische Aspekte angeht (Quelle).

MSC-zertifizierte Produkte ohne Mehrkosten für den Käufer

Zur Gewährleistung der Kontinuität seiner Missionen erhält der MSC 0.5% des Kaufpreises ohne Mehrwertsteuer von jedem Produkt mit dem blauen Label. Auf die Gesamtheit der zertifizierten Produkte bezogen ist das ein beträchtlicher Betrag, pro zertifiziertem Produkt aber nur ein minimaler Kosten, was den sehr geringen oder manchmal sogar nicht existenten Preisunterschied zwischen einem MSC-zertifizierten Produkt und einem ohne Label erklärt.

Zusammenfassung: Warum besser einen MSC-Fisch als einen Fisch ohne Label kaufen?

  1. MSC ist im Moment das strengste und am besten etablierte Label, wenn es um internationalen kommerziellen Wildfischfang geht
  2. Im Allgemeinen ist Fischerei ohne Label schlechter als die mit Label
  3. Man unterstützt eine glaubwürdige NGO, die für die Meere das Beste gibt
  4. Der Preisunterschied für den Konsumenten ist gering oder nicht vorhanden

Verantwortungsvoller Fischkonsum – was bedeutet das?

Auch wenn das MSC-Label beim Kauf von Wildfisch unbedingt vorzuziehen ist, sind die Fischereiressourcen aufgrund der Überfischung, der Verschmutzung der Ökosysteme und der Klimaerwärmung beträchtlich gefährdet. Das heisst, dass wir idealerweise Folgendes tun müssen:

  1. Fisch aus Wildfang nur sehr selten konsumieren
  2. Fischgattungen aus Zucht vorziehen, die mit der Bio Knospe zertifiziert ist
  3. Fische aus Schweizer Seen bevorzugen (denn in der Schweiz ist der Fischfang strikt reglementiert)
  4. MSC-zertifizierten Wildfisch bevorzugen
  5. Fischgattungen vorziehen, die nicht vom Aussterben bedroht sind – der WWF stellt dazu einen Onlineratgeber und eine App zur Verfügung
  6. Verschwendung des gekauften Fischs vermeiden … um nicht die gesamten Ressourcen, die für die Produktion nötig waren, zu vergeuden!

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