Schweizer Tomaten oder spanische Biotomaten?

In einer idealen Welt würden wir gerne regionale, biologische, frische und saisonale Produkte konsumieren, wenn möglich zu einem kleinen Preis. Doch bei den Produkten, die dem Verbraucher in den Verkaufsregalen und dem Gastronomen im Katalog zur Verfügung stehen, muss man sich oft entscheiden. Insbesondere eine Frage taucht immer wieder auf, egal in welcher Saison: Ist es besser, ein konventionelles Produkt aus der Schweiz zu kaufen oder ein Bioprodukt aus dem Ausland?

Das Beispiel der Tomate

Hier sind die Öko-Noten der gleichen Tomate gemäss Herkunftsland und Label (alle werden lose verkauft, mit dem Lastwagen transportiert und im Gewächshaus angebaut):

Beelong_eco-notes_tomates_DE

1. Die Bedeutung der Herkunft

Wenn wir davon sprechen, regionale Produkte vorzuziehen, geschieht das aus ökologischer Sicht aus folgenden Gründen:

  • Die zurückgelegte Distanz: Je kürzer der zurückgelegte Weg ist, umso mehr werden die transportbedingten Treibhausgasemissionen verringert.
  • Die Transportart: Einige Transportarten erzeugen viel mehr Emissionen als andere, zum Beispiel erzeugt das Flugzeug deutlich mehr als der LKW, der seinerseits mehr erzeugt als der Zug.
  • Das Landwirtschaftsrecht: Der Rechtsrahmen, in dem sich der Produzent bewegt, hängt vom Produktionsland ab. Die Schweiz beispielsweise verfügt über eine der strengsten landwirtschaftlichen Gesetzgebungen der Welt mit dem «Ökologischen Leistungsnachweis», dem die Bauern verpflichtet sind.

In der Schweiz kommt die grosse Mehrheit der verbrauchten frischen Tomaten aus Südeuropa oder Nordafrika. Die Transportart ist im Allgemeinen das Schiff und/oder der LKW, und die Zahl an zurückgelegten Kilometern kann über 2500 betragen! Ist es wirklich nötig, sich ein Gemüse von so weit her zu holen, wenn es natürlicherweise in der Schweiz wächst? Indem wir Schweizer Tomaten bevorzugen, können wir daher die zurückgelegte Distanz beeinflussen, zusammen mit einer schonenderen Anbaumethode.

2. Die Rolle der Produktionsart

Grundsätzlich wird zwischen der «konventionellen» und der «biologischen» Landwirtschaft unterschieden.

  • Konventionelle Landwirtschaft: intensive Produktionsmethode mit meistens geringer Biodiversität (Monokultur), die in den westlichen Ländern weit verbreitet ist. Die starke Belastung der Ökosysteme (vor allem des Bodens) erfordert den Einsatz von synthetischen Chemikalien (Pestiziden und unnatürliche Düngemittel), einen erhöhten Bedarf an Ressourcen und manchmal den Gebrauch gentechnisch modifizierter Organismen (GMO). Dies ist eine intensive Produktionsart mit dem Ziel, bei geringsten Kosten ein Maximum an Gütern hervorzubringen, ohne die natürlichen Zyklen der Ökosysteme oder die Nachhaltigkeit des Systems zu beachten.
  • Biologische Landwirtschaft: Produktionsmethode, die jeden Einsatz von synthetischen Chemikalien (Pestiziden und unnatürliche Düngemittel) sowie GMO verbietet. Das bedeutet, dass der Dünger natürlich sein, also aus Kompost oder Mist (und nicht aus Düngemitteln, die im Labor hergestellt wurden und viel Energie verbrauchen) bestehen muss. Da ausserdem die Pflanzenschutzmittel ebenfalls natürlich sein müssen, müssen die Landwirte auf das Gleichgewicht im Ökosystem achten (Erhaltung und Förderung der Biodiversität, bodenfreundliche Nutzung, Wahl von vielfältigen oder krankheits- und klimaresistenten Rassen usw.). Indem im Einklang mit der Natur gearbeitet wird, verringert sich der Bedarf an Ressourcen und ein nachhaltiges System kann erschaffen werden.

Die biologische Landwirtschaft kann viele Lösungen in ein Umfeld bringen, in dem die natürlichen Ressourcen begrenzt sind oder die Konsequenzen des Klimawandels (z. B. Trockenheit) mehr und mehr zu spüren sind. Dennoch gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen innerhalb der biologischen Landwirtschaft. Diese Unterschiede sieht man an den landwirtschaftlichen Labels, die sich auf den Produkten wiederfinden. Jedes Label setzt sein eigenes Pflichtenheft fest, das heisst, jedes Label kann mehr oder weniger streng sein (lesen Sie «Alles über Biolabels»).

In der Schweiz ist das Biolabel mit den höchsten Standards auf dem Markt die Bio Knospe. Insbesondere ist das das einzige Label, das beheizte Gewächshäuser verbietet und erfordert, dass die Landwirtschaftsproduktion importierter Produkte dieselben Bedingungen erfüllt wie die von Schweizer Biobauern.

Dennoch haben Produkte aus konventioneller Schweizer Landwirtschaft bereits einen höheren Standard als die aus ausländischer konventioneller Landwirtschaft dank des rigorosen Landwirtschaftsrechts in der Schweiz und des «Ökologischen Leistungsnachweises».

Daher gilt: Ob Produktionsmethode oder zurückgelegte Distanz – Schweizer Tomaten sind die nachhaltigere Wahl als importierte Tomaten, seien sie nun bio oder nicht. Und wenn keine Schweizer Tomaten vorhanden sind? Dann ist es besser, auf die richtige Saison zu warten. Und wer nicht ein paar Monate darauf verzichten kann, bevorzugt importierte Biotomaten.

3. Der Einfluss der Saison

Der Zusammenhang zwischen der Umweltbelastung und der Saisonalität von Obst und Gemüse ist hauptsächlich durch die für die Produktion benötigte Beheizung gegeben, die Treibhausgasemissionen erzeugt. Die Effekte können also schwanken durch:

  • Die Energiequelle, die für die Beheizung genutzt wird, ob sie erneuerbar ist oder nicht
  • Die Energieeffizienz des Gewächshauses und die Optimierungseffizienz in der Nutzung der Ressourcen

Dennoch wird diese Information dem Endabnehmer selten auf dem fertigen Produkt angegeben, im Gegensatz zur Herkunft und zum Label. Da uns die Information über die Nachhaltigkeit des Gewächshauses oft fehlt, ist es sehr empfehlenswert, Tomaten während der Erntezeit der Schweizer Tomaten zu verbrauchen, um jede Treibhausbeheizung zu vermeiden.

4. Darüber hinaus

Auch wenn die Verpackung eine geringere Umwelteinwirkung hat als die Landwirtschaftsproduktion: Je mehr es möglich ist, Verpackungen zu vermeiden (vor allem solche aus Glas, Plastik und Aluminium) und/oder unvermeidbare Verpackungen zu recyceln, desto mehr reduzieren wir unsere Umweltbelastungen. Und selbstverständlich, wenn wir Tomaten kaufen, sollten wir sie rechtzeitig essen, damit wir sie nicht wegwerfen und somit alle Ressourcen, die für ihre Produktion nötig waren, verschwenden.

Zusammenfassung

  1.   Schweizer Tomaten vorziehen
  2. Die Saison für Schweizer Tomaten abwarten, um sie zu konsumieren
  3. Wenn möglich das Label Bio Knospe bevorzugen
  4. Verpackungen (vor allem Plastik und Aluminium) vermeiden
  5. Lebensmittelverschwendungen vermeiden